Der Bundesgesetzgeber hat die öffentliche Beurkundung als besonderes Verfahren respektive die damit verbundene qualifizierte Form der Schriftlichkeit nicht definiert, hat sie aber für die wichtigsten Urkunden des Rechtslebens vorgeschrieben. Diese Form ist namentlich erforderlich für die Errichtung von Stiftungen, für Ehe- und Erbverträge, für die Übertragung von Grundeigentum, für die Errichtung der meisten Personaldienstbarkeiten, für selbständige und dauernde Baurechte und Dienstbarkeiten betreffend Aufhebung oder Abänderung von gesetzlichen Eigentumsbeschränkungen (ab 1.1.2012 für alle Personal- und Realdienstbarkeiten), für die vertragliche Errichtung von Grundpfandrechten (ab 1.1.2012 auch für Eigentümerschuldbriefe), für die Gründung von juristischen Personen (Handelsgesellschaften und Genossenschaften) und für die Änderung von Statuten.

Die Regelung der Modalitäten der öffentlichen Beurkundung liegt in der Kompetenz der Kantone (Art. 55 SchlT ZGB), welche insbesondere die Personen bestimmen, welche öffentliche Beurkundungen vornehmen dürfen. In den Westschweizer Kantonen und im Kanton Tessin obliegt diese Aufgabe den freiberuflich tätigen Notaren, in den Deutschschweizer Kantonen gibt es unterschiedliche Systeme, die aus langer Tradition gewachsen sind, in einigen Kantonen gibt es noch das reine Staatsnotariat, so in Zürich (siehe Das Notariat in der Schweiz).
 
Die öffentliche Beurkundung verfolgt mehrere Ziele: die wahrheitsgetreue und unverfälschte Wiedergabe des Parteiwillens, den Schutz der Parteien vor Übereilung und den Schutz Dritter, namentlich von Personen, welche Einblick in die öffentlichen Register (insbesondere in das Grundbuch und in das Handelsregister) nehmen und darauf vertrauen; für diese Register gilt bekanntlich der öffentliche Glaube. Diese Ziele können einerseits dadurch erreicht werden, dass die Urkundspersonen strengen Berufspflichten unterstehen, und andererseits dadurch, dass das formelle Beurkundungsverfahren vor der Urkundsperson selber durchgeführt werden muss. Zu diesen Berufspflichten gehören die Rechtsbelehrungs- und Rechtsberatungspflicht, das Unparteilichkeitsgebot, die Klarheitspflicht und das Berufsgeheimnis. Der Einsatz der Urkundsperson, im freiberuflichen Notariat eines besonders ausgebildeten Juristen, hat daher die Wirkung, in hohem Masse zur Rechtssicherheit und zum Rechtsfrieden beizutragen.
 
Das gute Funktionieren des Grundbuchs und des Handelsregisters setzt voraus, dass der Verwalter über qualitativ einwandfreie Belege verfügt, andernfalls er gehalten ist, die eingereichten Anmeldungen abzuweisen. In einem Bereich, in dem die auf dem Spiel stehenden Werte von Bedeutung sind, ist die Anmeldung von öffentlich beurkundeten Dokumenten durch Juristen, welche sich das Verfassen von spezifischen Verträgen gewohnt sind, zentral.