Die öffentliche Beurkundung als qualifizierte Form der Schriftlichkeit ist ein bundesrechtliches Institut. Die Rechtstraditionen dazu waren in der Schweiz jedoch nie einheitlich. Die Legiferierung der Inhalte des Notariates und der öffentlichen Beurkundung als besonderes Verfahren blieben bis heute dem kantonalen Recht vorbehalten.
 
Zu unterscheiden ist bekanntlich zwischen dem deutsch-rechtlich inspirierten staatlich organisierten Amtsnotariat und dem römisch-rechtlich geprägten freiberuflich organisierten lateinischen Notariat.

 In der Schweiz kennen die Kantone Aargau, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Bern, Freiburg, Genf, Jura, Neuenburg, Tessin, Uri, Waadt, und Wallis. das lateinische Notariat.



Das reine Amtsnotariat kennen die Kantone Zürich und Schaffhausen; die übrigen Kantone kennen gemischte Systeme, wobei in der Regel die Zuständigkeit nach Sachgebieten getrennt wird (Grundbuchgeschäfte sind dem Amtsnotar vorbehalten) und nicht konkurrierend ist (Ausnahme: Kanton Graubünden).

 

International gesehen hat das lateinische Notariat das Hauptgewicht. Es ist im Rahmen der UIN (Union internationale du notariat latin, www.uinl.org) organisiert. Der UIN gehören derzeit 76 Staaten an, so auch der SNV als Vertreter des schweizerischen, freiberuflich organisierten Notariates; die Schweiz als Staat ist leider (!) nicht aktiv.



Jene Staaten, die das Notariat neu einführen, so die Staaten des ehemaligen Jugoslawien und der ehemaligen UdSSR, aber auch Russland und China sowie eine Reihe afrikanischer Staaten, optieren ausnahmslos für das lateinische Notariat. Der SNV leistet im Ausland regelmässig Unterstützung zum Erlass zweckmässiger Notariatsgesetze und führt Ausbildungsveranstaltungen durch. Das Amtsnotariat ist so gesehen zur Randerscheinung der anglosächsischen Rechtskultur geworden, wobei selbst in den USA einzelne Staaten das lateinische Notariat entweder kennen oder einführen wollen. In Westeuropa kennt nur noch das Bundesland Baden-Württemberg / BRD das Staatsnotariat.
 
Der Schweizerische Notarenverband SNV ist die Dachorganisation der Berufsverbände der Kantone AG, BE, BL, BS, FR, GE, GR, JU, NE, TI, UR, VD und VS. Als Mitglied gehören ihm die Verbände als solches und deren Einzelmitglieder an.
 
Das Notariat und die damit verbundene Registerführung (Grundbuch und Handelsregister) ist Garant für höchste Rechtssicherheit und für höchsten Rechtsfrieden, stellt einen hochwertigen wirtschaftlichen und sozialen Wert dar und steht im Dienste des rechtssuchenden Konsumenten, und zwar unbesehen seiner gesellschaftlichen, sozialen oder wirtschaftlichen Stellung. An die Wirkungen dieses Institutes hat man sich hierzulande allerdings wie an eine Selbstverständlichkeit gewöhnt. Sie werden regelmässig unterschätzt, insbesondere bezüglich der Rechtssicherheit und des Konsumentenschutzes. Nach Massgabe der Untersuchungen der Weltbank im Rahmen von „Doing Business“ in 2004, Understandig Regulation, resultieren im angelsächsischen Rechtskreis aus einfach-schriftlichen Verträgen, auch wenn deren Abschluss regelmässig von Anwälten begleitet wird, 40 (!) Mal mehr prozessuale Auseinandersetzungen als aus notariell beurkundeten Verträgen, wo die Prozessrate deutlich unter einem 1 (!) Promille liegt. Europäische Quellen nennen teilweise noch bessere Relationen. 

 
Das lateinische Notariat in Reinkultur – die gleichzeitige Ausübung eines anderen Berufes ist dort nicht statthaft, auch nicht jene des Anwaltsberufes – findet sich beispielsweise in den Kantonen Genf und Waadt. Wie in anderen Kantonen auch ist beispielsweise in Bern dagegen die gleichzeitige Ausübung des Anwaltsberufes zulässig. Viele Anwälte sind daher zugleich Notare.
 
Die Kantone mit freiberuflich organisiertem Notariat bieten dem Publikum einen vollwertigen, alles umfassenden rechtlichen Beratungsdienst in allen nicht-streitigen Sachen an. Das Notariat erfüllt als erste Anlaufstelle des Rechtsunterworfenen im Kontakt mit Rechtsfragen und mit der Justiz eine gesellschaftlich und sozial wichtige Funktion, namentlich im Familienrecht, Erbrecht und Steuerrecht.